„Wovon der Mensch zutiefst und zuletzt durchdrungen ist,
ist … der Wille zum Sinn.“ Viktor Frankl
Tage religiöser Orientierung am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium
Weder das Streben nach Macht noch das Anhäufen von Lust oder Genuss versprechenden Erlebnissen, sondern vielmehr die Suche nach Sinn sei das, was den Menschen ursprünglich und wesentlich ausmache, so der österreichische Neurologe und Psychologe Viktor Frankl. Ausgehend von dieser Grundüberzeugung boten die Tage religiöser Orientierung des Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums für die Q2 vielfältige Angebote, die der Unterstützung im Rahmen der den Menschen ausmachenden Sinnsuche dienten: Die Schülerinnen und Schüler konnten aus fünf unterschiedlichen Projekten auswählen, welche ihnen neue Erfahrungen ermöglichten, aber insbesondere auch Raum gaben, ihre persönlichen Perspektiven einzubringen und weiterzuentwickeln.
„Which path to take?“
Unter dem Motto „Which path to take?“ (Fr. Simon, Herr Weiher) erwanderten die Teilnehmenden Bad Orb, Fulda und Schlüchtern und setzten sich im Rahmen von Impulsen mit familiärer Diversität, Ängsten, Sehnsucht, Gebet und Meditation auseinander. Abgerundet wurden die Tage durch gemeinsames Essen sowie das Schreiben eines Briefes an sich selbst, der in zwei Jahren zur Reflexion zurückgesendet wird
„Was ist Glück?“ & „It’s all about you“
Die Frage „Was ist Glück?“ (Fr. Franke, Fr. Hebenstreit) bot Anlass verschiedene Formen von Glück zu thematisieren und das eigene Verständnis von Zufriedenheit und einem erfüllten Leben zu vertiefen. Das Projekt „It’s all about you“ (Hr. Metzler) richtete den Blick auf die eigene Identität, die persönlichen Stärken und die individuellen Herausforderungen, die uns auf dem eigenen Lebensweg begleiten.
„Mein Traum vom Leben“ & „Pilgern auf dem Jakobsweg in der Rhön“
Wer eigene Wünsche teilen und Zukunftsvorstellungen entwickeln wollte, konnte dies im Rahmen des Projekts „Mein Traum vom Leben“ (Fr. Hahn) tun. Hier wurde deutlich, dass die Fähigkeit dazu in einer guten Selbstwahrnehmung begründet liegt. Das Angebot „Pilgern auf dem Jakobsweg in der Rhön (Hr. Jäckel, Hr Dr. Bohnert) eröffnete schließlich die Möglichkeit,
sich durch Bewegung, Naturerfahrung und Gemeinschaft auf eine besondere Weise selbst zu begegnen, aber auch sich über Sinnfragen, Ziele und Werte auszutauschen.
Die Tage religiöser Orientierung 2025 luden dazu ein, den eigenen „Willen zum Sinn“ bewusst wahrzunehmen, die persönliche Lebensgestaltung zu reflektieren und Impulse zu gewinnen, die Orientierung für den eigenen Weg bieten, waren mithin eine wichtige Etappe zur Bewusstwerdung dessen, was im Leben wirklich wichtig ist. Nachstehende Berichte, Eindrücke und Bilder veranschaulichen das eindrucksvoll. Text: Dr. Daniel Bohnert, StR
„Which path to take?“
Unter dem Motto Which path to take? Wandern im Schlüchterner Umland und auf dem Weg zu sich selbst startete am Montag der erste der drei Projekttage.
Ausgehend vom Bahnhof in Salmünster ging es zu unserem ersten Tagesziel: dem Naturschwimmbad Bad Orb. Dieses erreichten wir nach ca. drei Stunden Fußmarsch durch selbstständige Orientierung im Gelände.
Nach einer Abkühlung setzten wir uns dort mit verschiedenen Impulsen zum Thema familiäre Diversität sowie der eigenen Zukunftsorientierung auseinander.

Zum Abschluss ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen. Unser Dienstag begann mit einem eindrucksvollen Spaziergang über den Schlossgarten in Fulda bis hin zum Franziskanerkloster Frauenberg. Wir setzten uns mit den eigenen Ängsten auseinander und tauschten uns aus, was in beängstigenden Situationen Kraft schneckt und bestärkt. Die Kondition ließ es trotz der sommerlichen Temperaturen zu, dass wir uns auf zum Aueweiher machten. Dort sprachen wir über den Zusammenhang von Suche, Sucht und Sehnsucht. Auch dieser Tag endete mit einem gemeinsamen Essen. Den letzten Tag der Orientierungstage verbrachten wir in und um die Mauerwiese in Schlüchtern. Dort beschäftigten wir uns nach einem kurzen Input mit dem Begriff und den verschiedenen Formen des Betens und der Meditation. In Kleingruppen machten wir uns Gedanken zu verschiedenen Impulsfragen und besprachen sie im offenen Austausch. Abgeschlossen haben wir unseren Tag mit dem Schreiben eines Briefes an uns selbst. Dieser Brief wird in zwei Jahren wieder an uns geschickt und wir können zum Beispiel erfahren, wie sich die Perpsektive auf unser Leben verändert hat, ob unsere Vorstellungen erfüllt worden sind, wir unseren Zielen ein Stück nähergekommen und wie wir mit jetzigen Herausforderungen umgegangen sind. Wir genossen es, uns ausreichend Zeit für die eigene Orientierung im Privatleben, ggf. im Glauben, im Schulleben und im späteren Berufsleben zu nehmen und dabei den Körper bei Bewegung zu fordern. Text: Sophia Schneider, StR’n und Alexander Weiher, StR
Mein Traum vom Leben
Als wir am Montag nach ca. 1h Zugfahrt im Bonifatiuskloster in Hünfeld ankamen, wurden wir erstmal von unseren externen Referenten Markus und Nicola von TRUST im Gruppenraum begrüßt und haben ein paar Kennenlernspiele gemacht. Danach haben wir die gelben Tüten eingeführt und aufgehängt: Briefumschläge für jede Person, in die im Laufe der Tage andere eine anonyme, gute Botschaft oder Komplimente stecken konnten. Nachdem wir uns also darauf vorbereitet haben, uns in der nächsten Zeit mit anderen auseinanderzusetzen, haben wir uns in der ersten Einheit erstmal mit uns selbst auseinandergesetzt. Jeder hat 7 Stärken und 7 Schwächen von sich selbst aufgeschrieben und seinen Partner eingeschätzt. Das hat uns ermöglicht, unsere Selbstwahrnehmung mit der anderer zu vergleichen. Den ausgewählten Stärken und Schwächen waren Symbole zugeteilt, die auf Persönlichkeitsbilder schließen ließen, die wir in der nächsten Einheit nach dem Mittagessen und der Klosterführung kennengelernt haben: Hai, Delfin, Wal und Eule.
Diesen Persönlichkeitsbildern haben wir dann nochmal Stärken und Schwächen sowie Berufe und typische Eigenschaften zugeordnet.
Außerdem haben wir uns mit unserem Element und unserem Pinguin beschäftigt, also damit, wo wir uns am wohlsten fühlen, was wir am besten können und was uns gut liegt, worauf wir die nächste Einheit aufbauen konnten.
Nach dem Abendessen sind wir zum nahegelegenen Haselsee gelaufen und haben den Abend mit einem Rückblick auf den Tag ausklingen lassen.
Am Dienstag haben wir den Tag mit einem freiwilligen religiösen Impuls in der Hauskapelle gestartet. Dann haben wir in der ersten Einheit des Tages gelernt, wie man Entscheidungen trifft. Jeder hat für sich persönlich eine Entscheidungsfrage gefunden, mit der er sich den ganzen Vormittag lang beschäftigt hat und bis zum Mittagessen mit Hilfe von den zur Hand gegebenen Strategien die für ihn richtige Entscheidung getroffen hat. Nach dem Mittagessen und der Freizeit haben wir uns dann mit dem Thema Achtsamkeit beschäftigt. Es gab verschiedene Stationen. Egal ob Meditation im Park, Meridiane ausklopfen im Gruppenraum oder Atemübungen auf dem Zimmer, man konnte sich dort, wo man sich am wohlsten fühlt, nur auf sich selbst konzentrieren. Nachdem wir dann wieder zusammenkamen, ist ein Teil der Gruppe in den Gottesdienst in die Kirche gegangen und der andere Teil hat sich mit Fragen beschäftigt, die wir einem Mitglied des Oblatenorden nach dem gemeinsamen Abendessen stellen konnten. Durch diese Fragerunde hat man nochmal einen persönlicheren Einblick in das Leben im Kloster bekommen. Da danach schon der letzte Abend anstand, haben wir uns alle im Park versammelt und gemeinsam Spiele gespielt und uns über die vergangenen Tage ausgetauscht.




Am Mittwoch haben wir uns nach dem Frühstück gemeinsam mit unserem Gepäck im Gruppenraum versammelt. Dort haben wir zuerst den Film „The Butterfly Circus“ geschaut und uns anschließend Gedanken über das Gesehene gemacht. Danach haben wir „Das gute Wort“ gespielt. Jeder hatte einen Zettel am Rücken kleben und einen Stift in der Hand, dann sind wir durch den Raum gelaufen und haben den Anderen positive Dinge über sie auf den Rücken geschrieben. Das hat uns alle nochmal bestärkt, um danach in Ruhe einen Brief an uns selbst zu schreiben. Niemand weiß, wann der Brief uns zugeschickt wird und man konnte so dem Zukunfts-Ich erzählen, was einen aktuell beschäftigt, was für Pläne man hat oder was in Zukunft noch so ansteht, damit man dann irgendwann, im Idealfall positiv, darauf zurückblicken kann. Zum Schluss haben wir unsere gelben Tüten abgehängt und ausgepackt und hatten noch etwas Freizeit, bis wir um 12:15 den Heimweg angetreten haben.
Insgesamt war der Aufenthalt im Kloster das perfekte Maß zwischen Beschäftigung mit sich selbst und tiefgründigen Gesprächen mit anderen über das Erlernte.

Man hatte oft die Möglichkeit, über Dinge nachzudenken, für die man sonst keine Zeit hat und hat wichtige Werkzeuge für kleine Herausforderungen im Leben mit auf den Weg bekommen.
Auch die Kirchennähe hatte für viele eine große Bedeutung, da man zu jeder Zeit in die Kirche gehen konnte. Egal ob man gebetet oder einfach die Stille genossen hat, auch das hat das ganze nochmal positiv untermalt. Nicht zuletzt haben aber auch Frau Hahn, die uns viel Freiraum gegeben hat, die Referenten, die sehr gut auf das Wetter und die Gruppe eingehen konnten, und auch die Gruppe selbst, die sehr offen und entspannt war, die drei Tage so unvergesslich gemacht.
Text: Johanna Krick, Schülerin der Q2
Pilgern auf dem Jakobsweg in der Rhön
Am 30.06.2025 begann unsere Pilgerreise mit 14 mutigen Schülern und zwei Lehrern, Herr Bohnert und Herr Jäckel, die uns bei unserer Reise begleiteten, unterstützten und zur Seite standen. Angefangen in Burkardroth, besuchten wir die evangelische Kirche St. Laurentius. Herr Jäckel startete mit dem ersten Impuls. In der Kirche lagen verschiedene Pilgersprüche aus, aus denen sich jeder einen individuell für sich aussuchen konnte. Danach hatte jeder die Möglichkeit, seine Wahl für den Pilgerspruch zu erläutern. Ein Zitat blieb dabei in besonderer Erinnerung. Dieses lautet: „Was, wenn sich das Ziel nicht am Ende, sondern am Rand befindet“. Interessant war hierbei, dass dieser Gedanke viele Gespräche anregte. Wie definiert man „Rand“ und wie verändert sich unser Blick, wenn wir diesen als Ziel verstehen? Mehrere Ansätze begleiteten uns auf der Pilgerstrecke zum Kreuzberg. In den Gesprächen befassten wir uns oft mit theologischen Fragen, etwa inwiefern die Schöpfungsgeschichte ein Bezug auf unser heutiges Leben hat.
Die Strecke zum Kreuzberg setzte Durchhaltevermögen voraus. Die Anstiegshöhenmeter, die zu überwinden waren, betrugen ca. 700-800 Meter. Bei einer Außentemperatur von 30 Grad gerieten wir beim Aufstieg ordentlich ins Schwitzen. Als wir dann endlich angekommen waren, durften wir in unsere Zimmer im Kloster beziehen. Nachdem wir uns ausgeruht hatten, folgte ein gemeinsames Essen. Dazu genossen wir abends die spürbar kälteren Temperaturen. Danach bereicherte uns Herr Bohnert mit einem weiteren Impuls. Darüber hinaus sollten wir für uns auf der Pilgerstrecke einen Stein finden, der symbolisch für unsere Lasten und Schwierigkeiten steht. Wie bei der traditionellen Pilgerreise legten auch wir den Stein gemeinsam auf einem Berg ab. Zum Ende hin wanderten wir auf eine Aussichtsplattform und reflektierten den Tag erfolgreich. Danach gingen wir erfüllt und müde ins Bett.

Unser zweiter Tag begann mit einem leckeren Frühstück im Kloster Kreuzberg, nach einer größtenteils ausgeschlafenen Nacht. Nach dem Frühstück und dem Packen brach ein Teil der Gruppe auf, um sich den Gottesdienst in der Klosterkirche anzusehen. Dieser löste bei manchen gemischte Gefühle aus und durch den entstandenen Gesprächsstoff wurde der morgendliche Impuls ausgesetzt
Unsere Etappe führte uns über Wiesenwege nach Oberweißenbrunn. Dort löste sich ein Teil der Gruppe und fuhr mit dem Bus weiter nach Gersfeld, um etwa 7 Kilometer zu sparen und um sich die Kräfte für den letzten Teil der Strecke zu sichern. Gemeinsam trafen sich alle im Schlosspark in Gersfeld wieder und nach einer Mittagspause brachen wir auf, um den letzten Teil der heutigen Strecke zu bestreiten. Es ging quer durch Gersfeld und langsam aber sicher nur noch bergauf. Doch für diese Wegstrecke haben wir einen Impuls von Max Frisch bekommen, mit Fragen über Freundschaft. Zu zweit führten wir tiefgründige Gespräche, ob wir uns zum Beispiel für einen guten Freund halten oder was für uns No-Go’s in einer Freundschaft sind. So verging diese Etappe wie im Flug und wir näherten uns unserer Unterkunft, dem Waldgasthof Wachtküppel. Dort wurden wir von einer lieben Dame begrüßt und nachdem jeder frisch geduscht war, trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen.
Danach saßen wir noch zusammen oder konnten uns etwas ausruhen, um Kräfte für die Sonnenuntergangstour zum Wachtküppel zu sammeln. Nach dem individuellen Anschauen des Sonnenuntergangs begann unser Spieleabend, denn das angekündigte Lagerfeuer musste aufgrund der Trockenheit leider ausfallen. So wurde beim Mensch-Ärgere-Dich-Nicht ordentlich geflucht und gelacht und der restliche Teil spielte Karten mit Herrn Bohnert.
Nach einer gemütlichen Nacht im Waldgasthof Wachtküppel, brachen wir gut gestärkt um 10:00 Uhr auf, um unsere letzte Etappe zu bestreiten. Diese führte uns über schöne Wald- und Wiesenwege über Rommers nach Giechenbach, wo wir am Nachmittag auch abgeholt wurden. Auch in dieser Laufzeit gab es wieder anregende Impulse. Am Morgen machten wir uns Gedanken über unsere „To Do“ Liste und was wir gerne erreichen möchten, z.B. „Nur heute möchte ich den Weg nur für mich gehen“, „Nur heute werde ich mich nicht beschweren“.
Zudem wurden auf dem ersten Stück auch die Fragen über Freundschaft und Gemeinschaft fortgesetzt. Diese Fragen und Impulse ermöglichten uns tiefgründige Gespräche zu führen und über Dinge nachzudenken, die für uns ansonsten nicht sonderlich relevant erscheinen.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause hieß es auf den letzten 3 km in Stille zu laufen. Wie echte Pilgernde genossen wir die Stille und lauschten der Natur. Dies bot die perfekte Gelegenheit, um sich mit sich selbst zu beschäftigen, über Zukunftsfragen nachzudenken und diese aufregende Reise zu reflektieren. Das stand nämlich als Nächstes auf dem Programm. Während des Wartens machten wir eine kleine Reflexionsrunde. Hierbei waren positiv auffällig die Gruppendynamik und die zum Nachdenken anregenden Impulse. Ein Negativpunkt stellte über die drei Tage natürlich die Hitze dar, dennoch haben wir diese Reise gemeinsam gemeistert.
Jede und jeder konnte aus dieser Zeit etwas Positives für sich selbst und seine Zukunft mitnehmen.
Text: Elisabeth Kister, Lena Kreft und Christina Gehne, Schülerinnen der Q2

