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Bilder lügen nicht?

Die Macht der Bilder:
Eine Veranstaltung mir dem hr-Experten Dr. Joachim Meißner

Wie stark Bilder unsere Wahrnehmung prägen und wie schnell sie zu falschen Schlüssen führen können, wurde am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium eindrucksvoll demonstriert. Am Kaltemarktsmontag, dem 10. November 2025, besuchte der Hessische Rundfunk die Schule und bot eine spannende Veranstaltung zum Thema Medienmanipulation. Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern zu zeigen, wie leicht sich Meinungen durch gezielte Bildauswahl und fehlenden Kontext beeinflussen lassen – und welche Folgen das haben kann.

Framing
Hasskommentare
Folgen
Recht am eigenen Bild

Die Veranstaltung wurde von Dr. Joachim Meißner geleitet, der beruflich für den Hessischen Rundfunk tätig ist und regelmäßig Schulen besucht, um über die Gefahren von Manipulation in den Medien aufzuklären.
Gleich zu Beginn präsentierte er ein scheinbar harmloses Foto: Eine Frau am Flughafen, ihr Kind liegt auf dem Boden, während sie auf ihr Handy schaut. Dieses Bild wurde ohne jeglichen Kontext in sozialen Netzwerken veröffentlicht – ein Vorgehen, das in Deutschland ohne Zustimmung verboten ist und sogar mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Die Reaktionen im Netz waren eindeutig: Hasskommentare und Vorwürfe prasselten auf die Frau ein. Der Eindruck, den das Bild vermittelte, war klar – eine Mutter, die sich mehr für ihr Handy interessiert als für ihr Kind. Doch die Realität sah völlig anders aus. Mutter und Kind warteten seit über 20 Stunden am Flughafen aufgrund einer massiven Flugverspätung. Die Frau legte ihr Kind nur kurz auf den Boden, um ihre Arme zu entlasten – dort konnte es nicht herunterfallen. Dass sie in diesem Moment auf ihr Handy schaute, war reiner Zufall. Hinzu kommt: Die Frau arbeitet auf einer Mutter-Kind-Station und fürchtete sogar, ihren Job zu verlieren. Dieses Beispiel machte deutlich, wie schnell Menschen durch sogenanntes „Framing“ in ein falsches Licht gerückt werden können. Anschließend diskutierten die Schülerinnen und Schüler, ob es richtig sei, dass Framing in Deutschland strafbar sei.

Wie können Fake News aufgedeckt werden?

Im nächsten Teil der Veranstaltung ging es um Hass und Hetze gegen Geflüchtete. Dr. Meißner zeigte einen Post mit der Überschrift: „Kirche in München: Sechs Neubürger urinieren an christliches Gotteshaus“. Das dazugehörige Foto zeigte sechs Personen vor einer Kirche. Die Wahrheit: Die Männer beteten. Der Post war frei erfunden und wurde aus rassistischen Motiven verbreitet. Mithilfe von Google Lens und moderner KI-Funktionen konnten die Schülerinnen und Schüler die wahre Geschichte schnell herausfinden. Dieses Beispiel verdeutlichte nicht nur die Gefahren von Fake News, sondern auch, wie neue Technologien helfen können, solche Lügen aufzudecken.

TikTok-Video
Hass und Hetze
Paul Newsman
KI und Deepfake

Ein weiteres Thema war Antisemitismus im Netz. Hierzu zeigte Dr. Meißner ein TikTok-Video, in dem Israel mit einem Kackhaufen-Emoji verglichen wurde – ein klar antisemitischer Inhalt, der aus Wut über den Krieg im Gazastreifen gepostet wurde. Die Botschaft war eindeutig: Hass und Hetze finden im digitalen Raum leicht Verbreitung. In diesem Zusammenhang lernten die Schülerinnen und Schüler, wie wichtig korrekte Quellenangaben sind, um die Glaubwürdigkeit von Informationen zu sichern und Manipulationen entgegenzuwirken.

Fake News selbst erstellen

Zum Abschluss wurde es praktisch: Die Schülerinnen und Schüler erstellten selbst Fake News. Über die Webseite „Paul Newsman“ generierten sie in Dreiergruppen KI-Bilder und verfassten dazu kurze Texte – etwa über angebliche Skandale wie einen Brand im Europapark. Diese Übung zeigte eindrucksvoll, wie einfach es ist, täuschend echte Falschmeldungen zu produzieren, und wie wichtig es ist, kritisch zu hinterfragen, bevor man Inhalte teilt.

Am Ende waren sich alle einig: Der Informationstag für die Presse-AG und die Klasse 10d war ein voller Erfolg. Organisiert vom Hessischen Rundfunk und Gaby Stepan, vermittelte er nicht nur Wissen, sondern auch praktische Erfahrungen im Umgang mit Medien. Die Schülerinnen und Schüler wünschten sich weitere Projekte dieser Art, denn die Macht der Bilder ist groß – und nur wer sie versteht, kann sich vor Manipulation schützen.

Text: Vincent Brewster, ehemaliger Schüler des UvHs
Folien: Dr. Meißner, hr und Fotos: Gaby Stepan