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Premiere am UvH: Q2 diskutiert mit Abgeordneten des Hessischen Landtags

Am 20. Februar 2026 fand an unserer Schule zum ersten Mal die Veranstaltung „dialogP“ in der Aula statt. Bei diesem Format hatten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 (Q2) die Gelegenheit, in einen direkten Austausch mit Vertretern der Landespolitik zu treten.

Gäste

Zu Gast waren die Abgeordneten Uwe Häuser, Elke Barth, Marcus Bocklet, Oliver Stirböck und Andreas Lobenstein.

Vorbereitung in den Kursen

Im Vorfeld hatten sich die verschiedenen PoWi-Kurse von Frau Mujdzic, Frau Stepan – die die Veranstaltung organisiert hatte –, Herrn Möller und Herrn Pfannenschmidt Gedanken gemacht und insgesamt fünf zentrale Fragen erarbeitet, die die Grundlage der Diskussionen bildeten: der kostengünstige Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der Umgang mit Radikalismus in sozialen Medien durch politische Bildung, die Förderung von Künstlicher Intelligenz im Unterricht, die Verbesserung der Wohnraumsituation für junge Menschen sowie die Ausweitung der Videoüberwachung in Hessen.

Begrüßung durch den Schulleiter

Die Veranstaltung begann mit der Begrüßung der Abgeordneten durch den Schulleiter Herrn OStD Röder-Muhl, der in seiner Ansprache die besondere Bedeutung des direkten Austauschs für eine lebendige Demokratie hervorhob. Er betonte, dass Demokratie – im Unterschied zu TikTok und Instagram – vom persönlichen Gespräch und vom respektvollen Dialog lebe. Zugleich würdigte er die Bereitschaft der geladenen Abgeordneten, sich den Fragen der Jahrgangsstufe 12 offen zu stellen. Die Schülerinnen und Schüler ermutigte er, auch kritische und unbequeme Fragen zu formulieren, dabei jedoch stets respektvoll und fair zu bleiben.

Steckbriefe
Spontante Satzanfänge

Grußwort der Landtagspräsidentin & Vorstellungsrunde

Nach dem digitalen Grußwort der Landtagspräsidentin Frau Wallmann folgte eine interaktive Vorstellungsrunde, die von Moderatorinnen und Moderatoren aus der Schülerschaft geleitet wurde. Anstatt langer Reden mussten die Politikerinnen und Politiker spontan Satzanfänge vervollständigen, was den Schülerinnen und Schülern einen ersten persönlichen Einblick ermöglichte. So verriet Oliver Stirböck (FDP), dass er früher aktiv in einer Schülerzeitung mitgewirkt habe und eigentlich eine journalistische Karriere beim „Spiegel“ angestrebt habe. Elke Barth (SPD) erwähnte, dass sie sich früher auch eine Laufbahn als Journalistin oder Lehrerin hätte vorstellen können. Während Andreas Lobenstein (AfD) über seine Anfänge in der Euro-Rettungspolitik sprach, berichtete Marcus Bocklet (Grüne), dass er bereits mit 17 Jahren politisch aktiv geworden sei, um Dinge zu verändern. Auch Elke Barth habe mit 17 Jahren schon an Demonstrationen und Sonntagsspaziergängen teilgenommen; den Schritt in die SPD habe sie gewagt, da es in Parteien mehr Möglichkeiten gebe, sich in Parlamenten und weiteren Gremien zu engagieren.

Interviews mit den Politikern und Kahoot-Quiz

Einige Politikerinnen und Politiker konnten wir bereits vor der Veranstaltung interviewen. Uwe Häuser (CDU) betonte im Gespräch mit dem Presseteam, dass es für ihn eine „Ehre“ sei, an der Veranstaltung teilzunehmen.

zu erfahren, welche Themen die junge Generation bewegt

Er freue sich besonders darauf, in den direkten Kontakt mit jungen Menschen zu kommen und zu erfahren, welche Themen die junge Generation bewegen. Auf die Frage, wo er Handlungsbedarf in Bezug auf die Verbreitung radikaler Inhalte im Internet sehe, hatte Oliver Stirböck von der FDP eine klare Antwort: Von einem Social-Media-Verbot, wie es andere Parteien vorsähen, halte er nichts. Viel wichtiger sei es, Schülerinnen und Schüler sowie ältere Personen „medienkompetent“ zu machen. Elke Barth von der SPD schlug diesbezüglich ein „gestaffeltes Verfahren“ vor, das regeln solle, welche Anwendungen für 14- beziehungsweise 16-Jährige erlaubt seien und welche nicht. In den Gesprächen erfuhren wir zudem, dass einige Abgeordnete bereits an einer dialogP-Veranstaltung teilgenommen hatten, für andere war es die erste Veranstaltung dieser Art.

Intensive Diskussionsphase an den Thementischen

Nach einem Kahoot-Quiz über das Land Hessen ging es in die intensive Diskussionsphase an den Thementischen.

Lebhafte Kommunikation

An den fünf Tischen wurde im Zehn-Minuten-Takt über die vorbereiteten Fragen diskutiert. Es kam zu einem intensiven Austausch, und die Schülerinnen und Schüler hakten immer wieder kritisch nach und forderten konkrete Begründungen ein. Es entstand eine lebhafte Kommunikation, in der die Politikerinnen und Politiker ihre Positionen gegenüber den Jugendlichen direkt rechtfertigen mussten.

Zwischen den Runden konnten wir vom Presseteam zudem erfahren, dass auch einige Landtagsabgeordnete ihren Alltag umstellen: So berichtete Elke Barth (SPD), dass sie selbst bereits Künstliche Intelligenz nutze. Auch Marcus Bocklet erzählte, bereits KI genutzt zu haben, um Reden vorzuschreiben. Diese seien allerdings oft „sehr stark fehlerbehaftet“. Daher solle die Nutzung zwar in der Schule gefördert werden, um Fehler zu vermeiden, jedoch müsse der Unterricht seiner Meinung nach entsprechend verändert werden.

Zur Wohnsituation zeigte sich Elke Barth eher besorgt: Das Budget dafür habe im letzten Jahr erstmalig nicht ausgereicht. Deshalb müsse man nun „Brennpunkte“ auf dem Wohnungsmarkt – etwa Studentenstädte wie Marburg und dazugehörige zentral gelegene Studentenwohnungen – priorisieren. Marcus Bocklet (Grüne) sieht einen „enorm großen Druck auf Frankfurt“. Gerade durch den Standort der Zentralbank seien Menschen dort bereit, nahezu jeden Preis für eine Wohnung zu bezahlen. Es sei ein großes Problem, dass sich die Wohnungssuche zunehmend auf Großstädte konzentriere.

Team dialogP

Vertreterin/Vertreter der Franktionen
Moderation
Gruppen-
sprecher/in
Presse
SL
Orga

Besonders gespalten waren die Meinungen im Gespräch über den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel: Eine Schülerin argumentierte, dass viele junge Menschen in unserer ländlichen Region mit 18 Jahren auf ein Auto zurückgreifen müssten, da die Busse nicht zuverlässig und regelmäßig genug führen. Oliver Stirböck entgegnete, dass ein Ausbau des ÖPNV auf dem Land teurer sei und sich daher weniger rentiere als in der Stadt. Besonders interessant wurden die Diskussionen, als die Politikerinnen und Politiker an Tische kamen, deren Thematik man mit ihrer Partei assoziiert.

Der AfD-Politiker Andreas Lobenstein sprach sich für Bildung zum Thema Radikalismus in sozialen Medien aus. Man müsse vor allem „zwischen Fakten und Meinung unterscheiden“. Zudem äußerte er sein Misstrauen gegenüber öffentlich-rechtlichen Redaktionen. Ihnen glaube er „von vornherein wenig bis gar nichts“. Die Diskussion lenkte schnell in Richtung der Debatte um die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch. Ein Parteiverbot allerdings fürchte Lobenstein nicht; dafür würde diese Einstufung seiner Ansicht nach nicht ausreichen.

Präsentationen der stärksten Argumente

Vor der finalen Abstimmung blieb jeder Gruppe noch einmal drei Minuten Zeit, die stärksten Argumente der Gespräche zusammenzufassen.

Pro- und Kontra-Kärtchen

Den Abschluss bildete die Abstimmung mit Pro- und Kontra-Kärtchen, die ein deutliches Stimmungsbild der gesamten Aula zeigte. Einig waren sich Schülerinnen und Schüler sowie Politikerinnen und Politiker darin, die politische Bildung gegen Rechts- und Linksradikalismus zu stärken und die Wohnungssituation in Hessen zu verbessern. Auch beim ÖPNV-Ausbau gab es nahezu geschlossene Zustimmung; lediglich die FDP-Seite stimmte dagegen.

Schwieriger wurde es beim Thema Videoüberwachung: Hier sprachen sich der Großteil der Schülerschaft und fast alle Politikerinnen und Politiker dagegen aus, nur die CDU befürwortete eine Ausweitung. Im Gespräch erläuterte Uwe Häuser diese Position mit einem Beispiel aus dem Privatleben: Es sei sinnvoller, einmalig 4.000 € in eine Überwachungskamera zu investieren, als zu einem späteren Zeitpunkt für einen Schaden in Höhe von 200.000 € infolge eines Einbruchs aufkommen zu müssen. Er könne sich vorstellen, dass die strengen Datenschutzauflagen in Deutschland ohnehin bald gelockert würden.

Finale Abstimmungen

Bei der Frage nach der Förderung von KI in Schulen zeigten sich die Schülerinnen und Schüler gespalten, während auf politischer Ebene nur die Grünen eine ablehnende Haltung einnahmen.

In den abschließenden Rückmeldungen wurde deutlich, dass das Format bei der Q2 sehr gut ankam. Elke Barth (SPD) zog nach der Veranstaltung im Interview ein sehr positives Fazit: Es habe ihr großen Spaß gemacht, und sie betonte, dass es immer wieder schön sei, in den direkten Austausch mit Schülerinnen und Schülern zu treten. Sie habe bereits mehrfach an „dialogP“-Veranstaltungen teilgenommen und würde dies jederzeit gerne wieder tun.

Premiere eine wertvolle Erfahrung

Auch wenn die knappe Zeitvorgabe pro Tisch von einigen Schülerinnen und Schülern kritisiert wurde, war diese Premiere eine wertvolle Erfahrung, die gezeigt hat, wie wichtig der direkte Dialog zwischen Jugend und Politik ist.

Text: Mia Macha, Mara Zell, Presseteam
Fotos: Jaron Jacobi, ebenfalls Presseteam sowie Gaby Stepan