„Warum nur Männer?“
Informationsveranstaltung zur Neuen Wehrpflicht
mit Johannes Wiegelmann
Wie oft bietet sich Schülerinnen und Schülern die Gelegenheit, mit Politikerinnen und Politikern direkt ins Gespräch zu kommen? Am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium ist dies erfreulicherweise mehrmals im Jahr der Fall. Nachdem bereits im Februar im Rahmen von dialogP fünf Politikerinnen und Politiker des Hessischen Landtags in der historischen Aula mit Oberstufenschülerinnen und -schülern in den Austausch getreten waren, war am Donnerstag, den 3. September 2026, der Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Herr Johannes Wiegelmann, zu Gast.

Schülerinnen und Schüler der Q1 & Q3



Moderatorin
Mia Macha, Q3
Den Auftakt der Veranstaltung gestaltete die Schülerin Mia Macha, die Herrn Wiegelmann herzlich begrüßte und mit dem für junge Männer verpflichtend auszufüllenden Fragebogen in die Thematik der Wehrpflicht einführte. Zunächst gab Herr Wiegelmann einen Einblick in die aktuellen Überlegungen zur „Neuen Wehrpflicht“ und erläuterte seine Position zu diesem brisanten Thema. Anschließend stellte er sich den Fragen der Jahrgangsstufen 12 und 13.

Gegenwärtige Bedrohungslage
Herr Wiegelmann legte zunächst seine Sicht auf die gegenwärtige Bedrohungslage dar. Dabei verwies er unter anderem auf die mit Sprengstoff bestückte Drohne in Leipzig sowie auf die täglichen Angriffe auf die Infrastruktur. Laut Wiegelmann befinde sich Deutschland in einem Zwischenzustand zwischen Frieden und Krieg; es handele sich um einen hybriden Krieg. Es sei grob fahrlässig, die Tatsache zu ignorieren, dass Russlands Armee stetig wachse. Dabei gehe es ihm keineswegs darum, kriegslüstern zu sein, sondern darum, die veränderte sicherheitspolitische Lage ernst zu nehmen.
Wiegelmann vertrat die Auffassung, dass es angesichts der aktuellen, sehr ernsten Bedrohungslage und der Bündnisverpflichtungen erforderlich sei, dass Deutschland verteidigungsfähig bleibe. Dafür benötige die Bundeswehr in den kommenden Jahren ca. 260.000 Soldatinnen und Soldaten sowie 200.000 Reservistinnen und Reservisten. Er sehe eine große Gefahr darin, wenn dieses personelle Ziel verfehlt werde.
Zugleich betonte der Abgeordnete, wie wichtig ihm der Austausch mit den Schülerinnen und Schülern sei. Wiederholt stellte er die Frage in den Mittelpunkt, inwieweit man bereit sei, für das eigene Land Verantwortung zu übernehmen, ihm etwas zurückzugeben und einen persönlichen Beitrag dazu zu leisten, dass Deutschland in Freiheit leben könne.


Organisation & Umsetzung
Die Schülerinnen und Schüler hatten sich bereits in ihren Grund- und Leistungskursen mit dem Thema auseinandergesetzt und sich so auf den Austausch vorbereitet. So kamen auch Fragen zur Sprache, die in der aktuellen gesellschaftlichen Debatte eine wichtige Rolle spielen: Ist die Bundeswehr in der Lage, Deutschland zu verteidigen?
Warum gibt es keinen Ersatzdienst im sozialen Bereich,
um Wehrgerechtigkeit zu ermöglichen?
Was passiert, wenn sich nicht genügend junge Menschen für den Wehrdienst gewinnen lassen? Und warum betrifft die Wehrpflicht nur Männer? Im Verlauf des Gesprächs wurden die Fragen engagiert und durchaus kontrovers eingebracht. Auch kritische Positionen kamen zur Sprache. So wurde die Frage aufgeworfen, warum junge Menschen den Wehrdienst verweigern könnten, weil sie sich von der Politik nicht verstanden fühlten, und ob es sinnvoll sei, Menschen zum Wehrdienst zu verpflichten, die diesen nicht leisten wollten. Auch die persönliche Belastung und die Frage, wie man mit der Angst vor dem Tod umgehen könne, wurden thematisiert.
Auf die Frage einer Schülerin, ob er selbst Wehrdienst geleistet habe, räumte der Abgeordnete ein, dass zu seiner Zeit die Wehrpflicht ausgesetzt gewesen sei. Heute sehe er darin jedoch eine großartige Möglichkeit, seinem Land zu dienen und einen Beitrag dazu zu leisten, dass Menschen in Freiheit leben könnten.



Wie positionieren sich die Schülerinnen und Schüler?
Obwohl nicht eindeutig erkennbar war, wie sich die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich zur Wehrpflicht positionieren, wurden auch kritische Stimmen laut. Dabei wurde unter anderem die Frage aufgeworfen, ob es sinnvoll sei, Menschen zum Wehrdienst zu verpflichten, die diesen nicht leisten wollten. Auch die persönliche Belastung und die Frage, wie man mit der Angst vor dem Tod umgehen könne, wurden thematisiert.
Auf die Frage, wie ein Krieg heute aussehen würde, ging Herr Wiegelmann auf die veränderten Anforderungen an Soldatinnen und Soldaten ein. Die Grundfertigkeit eines Soldaten bestehe heute unter anderem darin, Drohnen zu bedienen und sich technologisch immer wieder in neue und sich verändernde Waffensysteme einzuarbeiten. Kriege fänden heutzutage gleichzeitig auf mehreren Ebenen statt. Darüber hinaus machte der Abgeordnete darauf aufmerksam, dass sich die Einstellungen von Parteien und Bürgerinnen und Bürgern zur Bundeswehr in den vergangenen Jahren deutlich verändert hätten.
In einem abschließenden Plädoyer nutzte Herr Wiegelmann noch einmal die Gelegenheit, seine politischen Vorstellungen darzulegen. Er betonte, dass er für Reformen stehe, damit in diesem Land wieder Wohlstand generiert werden könne. Deutschland müsse wettbewerbsfähiger werden, damit das Land ein anderes sei, wenn die heutige Schülergeneration einmal in Rente gehe.
Weitere Auseinandersetzung in den Kursen
Zum Abschluss bedankte sich Mia Macha bei Herrn Wiegelmann und allen Anwesenden für den Austausch. Damit ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Position zur Wehrpflicht jedoch noch lange nicht beendet. In den Politik- und Wirtschaftskursen der Oberstufe wird die Diskussion weitergeführt. Schließlich ist die Frage nach der Wehrpflicht eine Thematik, die die Zukunft der Schülerinnen und Schüler unmittelbar betreffen und mitbestimmen könnte.
Herzlichen Dank an Herrn Wiegelmann, der sich vor seinem anschließenden Termin in Düsseldorf die Zeit für den Besuch an unserer Schule und den engagierten Austausch mit unseren Oberstufenschülerinnen und -schülern genommen hat!
Fotos und Text: Gaby Stepan
Fachvorsitzende

