Auf den Spuren des rasenden Reporters
„Er war jung und begeistert, hatte keinen
moralischen Blickwinkel, sondern war ganz unbefangen.“
Frankfurt,
die Stadt von einer Ruinenlandschaft hin zu einer modernen Metropole
Mit diesen Worten beschreibt Archivar und Historiker Tobias Picard den „rasenden Reporter“ im Nachkriegsdeutschland: Mickey Bohnacker (1928–2017). Der Frankfurter Presse- und Sensationsfotograf, u.a. tätig für die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Neue Presse, dokumentierte wie kein anderer den Weg der Stadt von einer Ruinenlandschaft nach dem Zweiten Weltkrieg hin zu einer modernen Metropole. Und dies gerade deswegen, weil er Szenen fotografierte, die andere nicht interessierten. Das Ergebnis ist so vielfältig wie herausfordernd: Was macht man mit einem Nachlass von rund 200.000 Fotografien ohne entsprechende Beschriftungen?
Der Kombikurs LK und GK Geschichte der Q3 erkundete am Freitag, den 11. September 2026, angeleitet von Archivpädagogin Sabine Kindel die Forschungsarbeiten des Instituts für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster in Frankfurt am Main am ebendort verwahrten Nachlass Bohnackers. Diese bestanden zunächst in der systematischen Erschließung der Aufnahmen, d.h. in der Identifizierung von Personen und Kontexten. Erste Ergebnisse präsentiert die Ausstellung „Frankfurt went West“, welche das Schaffen Bohnackers der Jahre 1945 bis 1965 in einzelnen Themenblöcken abbildet und auf eindrucksvolle Weise die Amerikanisierung (z.B. Jukebox, Autokino) der Stadt veranschaulicht.
Dabei wurde deutlich, dass Bohnacker nicht nur mit seinen Aufnahmen für Furore sorgte, sondern auch mit seinem Lebensstil kokettierte. Das Bild, das er vermittelte, war das eines erfolgreichen Lebemannes, der am Puls der Zeit und den wichtigsten Ereignissen auf Tuchfühlung mit dem Who is Who der Nachkriegszeit stand. So posierte der nur 1,52 m große Bohnacker nicht nur vor seinem Porsche 356 Cabriolet, sondern ließ sich auch fotografieren, als ihn zum Zwecke einer ganz besonderen Aufnahme ein Polizeibeamter emporhob. Passend dazu scheint seine besondere Leidenschaft für das Fliegen, so dass er um 1950 als Gast der Flugstaffel „Skyblazers“ mitfliegen durfte.
Mickey Bohnacker (1928–2017):
. Kokettierter
Lebensstil
. Who is Who der Nachkriegszeit
. Leidenschaft für das Fliegen
1950 fotografierte er Susanne Erichsen als „Miss Germany“, 1951 die Internationale Automobilausstellung (IAA), 1958 Elvis Presley mit Freundin Margit Buergin und jugendlichen Fans im Kurpark Bad Homburg, 1963 John F. Kennedy in Frankfurt sowie 1964 die Beatles.
Dazu gesellen sich unzählige, beiläufig wirkende Aufnahmen aus dem Alltag der Nachkriegszeit sowie der jungen Bundesrepublik, überwiegend aus Frankfurt. Neben eigenen Erkundungen bot die einstündige Führung von Frau Kindel einen instruktiven Überblick über das Leben und Wirken Bohnackers, der im Kombikurs liebevoll als „Karla Kolumna“ der Nachkriegszeit tituliert wurde.
Während die Teilnehmenden Bohnacker und die von ihm verarbeiteten Themen als hochspannend bezeichneten, fand die Ausstellung an sich auch kritische Würdigung: Diese sollte anschaulicher sowie interaktiver gestaltet werden. Auch wurde der Wunsch geäußert, dass die Zerstörungen des Krieges mehr in den Fokus der Ausstellung rücken sollten. Dennoch empfehlen wir die Ausstellung – dort lässt sich auch erkunden, bei welcher ganz besonderen Aufnahme jener Polizeibeamte Hilfestellung leistete.
Text: StR Dr. Daniel Bohnert
Geschichte, Religion und Deutsch

